Zwei Jahre „Mikro-MINT: Schülerforschungszentrum Rostock“

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Vor zwei Jahren, am 16.11.2018, wurde an der CJD Christophorusschule in einem feierlichen Rahmen mit zahlreichen geladenen Gästen aus Politik, Wirtschaft und Schule das „Mikro-MINT: Schülerforschungszentrum Rostock“ als erstes Schülerforschungszentrum in Mecklenburg-Vorpommern eröffnet. Inzwischen ist die Arbeit im dritten Schuljahr angelaufen und die Beteiligten blicken auf eine gute Entwicklung zurück.

In einer Kooperationsvereinbarung zwischen der Christophorusschule und dem Institut für Zelltechnologie e.V. IZT wurde im Frühjahr 2018 die Gründung des ersten Schülerforschungszentrums in Mecklenburg-Vorpommern, das alle MINT-Fächer abdeckt, beschlossen. „MINT“ umfasst die Themengebiete der Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Für die Christophorusschule wurde dabei der Schwerpunkt auf das interdisziplinäre und praktische Forschen aller MINT-Fächern ausgebaut und anfänglich ein besonderer Schwerpunkt in der Hochbegabtenförderung verstärkt. Das IZT, das bisher nur ein außerschulisches Lernlabor „Verborgene Welten“ außerhalb von Rostock führte, baute nun zusätzlich ein Schülerforschungszentrum direkt in der Stadt auf, um dort interessierte SchülerInnen bei ihren Forschungsprojekten zu betreuen. Schülerforschungszentren sind Ermöglichungsorte, in denen Forschung erlebbar gemacht wird und die SchülerInnen die Möglichkeit erhalten, selbstständig eigene Forschungsprojekte durchzuführen. Dabei werden sie fachkundig unterstützt, begleitet und können mit ihren Projekten an identitätsstiftenden Wettbewerben teilnehmen. Die SchülerInnen arbeiten selbstständig an Themen ihres Interesses, die vom Regelschulbetrieb nicht abgedeckt werden. Dabei lernen sie, dass der Unterrichtsstoff praktisch angewandt oft neue Bedeutung gewinnt. Die Bezeichnung „Mikro-MINT“ wurde gewählt, um das Thema dieses Schülerforschungszentrums zu verdeutlichen: Die MINT-Fächer werden hier erlebbar gemacht unter der Berücksichtigung von Bau und Programmierung von Geräten aus Mikrocontrollern, Mikrocomputern, Mikroskopen und Mikrosensoren. Durch die Verknüpfung mit digitalen Techniken werden die sonst verschlossenen Mikrowelten unserer Umwelt erforscht und beispielsweise aus der Beobachtung von Mikroorganismen, Insekten, Kristallen und Mikromineralien Einsichten gewonnen, die die Voraussetzung für ein nachhaltiges Wirtschaften bilden.

SchülerInnen, die eigene Forschungsprojekte durchführen wollten, konnten bisher nur zeitweise als Gäste in Firmen oder Forschungsinstituten arbeiten, wenn sie dort Mitarbeiter gefunden haben, die sie in ihrem Labor betreuten. Ein Schülerforschungszentrum ermöglicht es den SchülerInnen, in einem nur für sie mit Forschungsgeräten gut ausgestatteten Labor das ganze Schuljahr über neben dem Unterricht an selbstgewählten Projekten zu arbeiten. Das Mikro-MINT-Team aus drei Wissenschaftlern ist täglich vor Ort und begleitet die jungen ForscherInnen bei der Durchführung ihrer Projekte.

Heute ist erkennbar, dass die Entwicklung gut vorangeschritten ist. Die Ausstattung des Labors mit Forschungsgeräten des IZT wurde durch Gerätespenden aus Firmen und Instituten erweitert, so dass die SchülerInnen in einer kompletten naturwissenschaftlichen Laborumgebung arbeiten können. Durch eine Förderung vom Staatlichen Schulamt Rostock wurde die Betreuung MINT-interessierter Schülerinnen des Gymnasiums Reutershagen ermöglicht. Am 23. Oktober erhielt die Christophorusschule von Innenminister Lorenz Caffier einen Fördermittelbescheid über 60 000,-€ für das Schülerforschungszentrum überreicht. Und seit August 2020 fördert das Bildungsministerium das dreijährige Projekt „Errichtung eines MINT-Schülerforschungs-Netzwerks“. Durch eine Verstärkung der Personalmittel kann nun nicht nur die Arbeit auf die Schulen in der Stadt ausweitet werden, sondern das Schülerforschungszentrum erhält dadurch eine mittelfristige Planungssicherheit.

Unser Ziel ist die Vermittlung von Wissen und Bildung durch forschendes Lernen nach dem Motto Creating tools and applying them to reveal the mysteries of nature.

Damit meinen wir, dass wir in unseren Schüler-Kursen und Projekten den Einsatz oder den Selbstbau von schülergerechten digitalen Geräten und Werkzeugen vermitteln, die dann zur Erforschung unserer Umwelt eingesetzt werden und Einblicke in die Natur erlauben. In allen Projekten werden digitale Kenntnisse erworben und die Verknüpfung der verschiedenen MINT-Fächer von Chemie und Biologie bis zur Programmierung des 3D-Druckers zur Problemlösung erlebt. In einem Projekt, das aus dem Perlenfonds der Joachim-Herz-Stiftung gefördert wird, wird anhand von Videofilmen der Einfluss von Mikroplastik auf das Verhalten von Süßwasser-Organismen untersucht. Andere Schüler untersuchen an den Bienenvölkern der Schule mit Mikrosensoren und Mini-Kameras das Leben im Bienenstock. Die Gruppe Digitale Fotografie erstellt Bilddatenbanken der Insektenvielfalt und der Tümpelorganismen in schulnahen Biotopen. Eine Gruppe, die eine computergesteuerte Pflanzenwand zur Verbesserung des Raumklimas in Schulräumen entwickelt hat, erzielte damit einen ersten Preis beim Jugend-forscht-Landeswettbewerb 2020. Die Ostsee-Sparkasse mit ihrer OSPA-Stifzng förder die Heranführung vor allem der Schülerinnen der unteren Klassen an das Programmieren mit schülergerechten Gerätesätzen.

Schon längst werden SchülerInnen aus mehreren Schulen betreut und das Team beschränkt sich keineswegs auf hochbegabte, vielmehr allgemein auf MINT-interessierte SchülerInnen. Der Erfolg der Arbeit lässt sich auch an den Preisen ablesen, die im Zentrum betreute SchülerInnen für ihre Projekte erhalten haben. Beim 30. Landeswettbewerb Jugend forscht und Schüler experimentieren Mecklenburg-Vorpommern 2020 wurden fünf unserer Projekte ausgezeichnet und beim 18. Schülerprojektwettbewerb des Staatlichen Amts für Umwelt und Natur (STAUN) „Schüler staunen … 2018-2020“ waren es ebenfalls fünf Umweltprojekte. Die PreisträgerInnen kamen aus vier verschiedenen Schulen.
Preisverleihung im 18. Schülerprojektwettbewerb „Schüler Staunen …“ 2018-2020
Preisverleihung im 30. Landeswettbewerb Jugend forscht 2020 Mecklenburg-Vorpommern

Das Bildungsministerium stellt in seinem Bewilligungsschreiben vom August 2020 fest, dass „die seitens des IZT angestrebte Schaffung eines den curricularen Vorgaben entsprechenden, vielfältigen Unterrichtsangebots zur Stärkung der MINT-Bildung und damit zur Sicherung des dringend erforderlichen Fachkräftenachwuchses im besonderen Interesse des Lands liegt und daher..…..unterstützt wird.“ Und Minister Lorenz Caffier sagte bei der Übergabe des Fördermittelbescheids aus dem Strategiefonds am 23. 10. 2020, dass man sich über Vieles vortrefflich streiten könne, nicht aber über die Existenz des Schülerforschungszentrums.

Bei der Eröffnung vor zwei Jahren hatte der stellvertretende Schulleiter Joachim Hesse gesagt „Wir haben viel Hoffnung, dass sich aus diesem kleinen Raum ein richtiges Schülerforschungszentrum für die ganze Stadt entwickeln kann.“ Heute ist das Mikro-MINT auf dem besten Weg diese Erwartung zu erfüllen.

Kontakt:
Thomas Borowitz, Lisa-Madeleine Sklarz M.Sc. und Prof. Dieter G. Weiss
Institut für Zelltechnologie e.V. IZT und
Mikro-MINT: Schülerforschungszentrum Rostock
info@sfz-rostock.de

Webseiten
CJD Seite zur Eröffnung 2018

Arbeiten am Mikrocontroller Arduino

 

Mikro-MINT Schüler und Betreuer bei der Preisverleihung des Umwelt-Schülerforschungs-Wettbewerbs „Schüler staunen 2018-2020“.